Wäre das Leben ein Film...
Sich von etwas abzulenken ist nicht immer leicht. Bei Langeweile sucht man sich eine Beschäftigung. Schmerz kann man mit Schmerz bekämpfen. Verlorenes kann man suchen und vergessenes kann man sich in Erinnerung rufen. Doch es gibt Sachen von denen kann man sich nicht ablenken. Es gibt Beschäftigungen die nicht befriedigen, Schmerzen die zu groß sind um sich bekämpfen zu lassen. Verlorenes was man nicht wieder findet und vergessenes an das man sich nie wieder erinnert. Es ist der Tod der all das mit sich bringt. Wenn man an den Toten zurück denkt gibt es keine Beschäftigung die dich ablenkt. Man hat Schmerzen die kein Schmerz auf der Welt übersteigen kann. Man hat was verloren das man nie wieder finden kann. Man vergisst weil die Erinnerung an die Person schwindet egal wie sehr man sich dagegen wehrt. Wenn man einen Menschen verliert, verliert man etwas was unersetzbar ist.
Manchmal frage ich mich wie das Leben wohl wäre, wäre es ein Film. Alles ist möglich und im letzten Moment kann sich noch alles ändern. Der Hauptdarsteller in seinem eigenem Leben zu sein ist nicht zu vergleichen mit dem in einem Film. Die Geschichte ist nicht vorher bestimmt, kommt nicht aus der Feder von jemandem. Das Ende hängt nicht davon ab ob der Autor seinem Schützling ein Happy End wünscht. Man kann nicht zurück spulen um etwas noch mal zu erleben und kann nicht auf Stopp drücken um etwas nicht zu erleben. Es geht nicht um Quoten oder Absatzzahlen, keiner fragt sich was andere lesen oder sehen wollen. Wir selbst sind die Schriftstellen unseres Lebens.
Doch wenn ich so darüber nachdenke kommt auch die Frage auf, wie mag es sein wenn das Leben wirklich zum Film wird? Was denkt man wenn man sich selbst auf der Leinwand sieht, auch wenn man durch jemand anderes verkörpert wird? Es sind meist Dramen und Tragödien die man dort sieht. Niemand interessiert sich für das perfekte und beneidenswerte Leben von jemandem. Aber der Kampf und die Verzweiflung, das wissen das es Leute gibt die noch schlimmeres erlebt haben, das guckt man sich gerne an. Wie mag es sein, sein Leben in etwa anderthalb Stunden noch einmal vor sich zu sehen?
Manchmal wünschte ich mein Leben wäre ein Film, nicht basierend auf einer wahren Geschichte, sondern rein fiktiv. Es ist nicht echt, es ist vorbestimmt und dadurch gibt es keine Überraschungen, es passiert nichts das dich aus der Bahn werfen kann.
Man dreht einen Film, man guckt einen Film und die Geschichte berührt einen, aber man kann damit abschließen. Die Bindung zu den Charakteren ist zu gering um sich langfristig mit ihren Problemen auseinanderzusetzen.
Doch im richtigen Leben reicht ein kurz aufblitzender Gedanke um alles wieder aufzuwirbeln, egal ob es ein Tag, eine Woche oder schon ein Jahr her ist.
Wenn das Leben wäre wie ein Film, wäre es sicher ab und an einfacher, doch es wäre kein Leben.




grinsi am 09.Sep 12  |  Permalink
der letzte satz ist echt schön :) hab jetzt nicht alles gelesen, aber ich find deinen Blog sowieso sehr schön